Bayerische Meisterschaften Jun/JR Vielseitigkeit 8.9.-9.9.2007
Zeiteinteilung, Startlisten, Ergebnisse finden Sie unter
Meldestellenservice Andi Geier
Bilder der Veranstaltung bei
Fotoagentur Dill
Bayerns Pferde Zucht und Sport:
Bayerische Meisterschaften Pony, Junioren und Junge Reiter
Newcomer und alte Hasen
Seit April hatte Turnierleiter Jens Moldenhauer Hindernisse für die Bayerische Meisterschaft gebaut, so dass die Vereinsmitglieder schon schmunzeln von „Fließbandproduktion“ sprachen, wenn sie ihn mal wieder sägen und hämmern hörten. Dabei ließ er seiner Kreativität freien Lauf und zimmerte z.B. ein Holzpferd, das er sich in Polen abgeschaut hatte. Und dann das: Es schüttete die ganze Woche und auch noch am Wochenende wie aus Kübeln - rund die Hälfte aller Reiter sagten ab. Doch die Geländestrecke im Reitstall Held in Massenhausen blieb bereitbar (der beste Beweis: Jens Moldenhauer selbst ritt in der offenen VL auf Platz 4) und, welche Wunder, pünktlich zur ersten Meisterschafts-Geländeprüfung versiegte der Regen. So wurde nur Hindernis 1 aus der Strecke genommen. Ansonsten erwartete die Reiter ein Kurs, in dem die anspruchsvollen Aufgaben gut verteilt waren, immer wieder unterbrochen durch Füllsprünge, bei denen die Pferde wieder Vertrauen fassen konnten und zum Galoppieren kamen.
Dieses Jahr gab es zwei Neuerungen in der Geländestrecke. Die vier verschiedenen Wasseraufgaben, die durch einen natürlichen Bach gespeist werden, waren um eine Attraktion reicher: Eine Insel, die bereits vor zwei Jahren gebaut worden war, aber noch Zeit zum Sacken gebraucht hatte, war erstmals bereitbar und kam in Kl. A zu Einsatz. Nachdem es beim Vielseitigkeitsturnier im letzten Jahr mehrere Kreuzungen gegeben hatte, wurde diesmal neben den beiden Wiesen links und rechts des Baches auch noch eine
dritte auf der anderen Straßenseite mit einbezogen, um eine dritte Schleife einzubauen. Einer erfolgreichen Meisterschaft stand also nichts mehr im Wege.
Junioren II
Los ging es mit den Junioren II, die eine anspruchsvolle Strecke zu bewältigen hatten. Drei Wasserhindernisse mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad bis hin zum direkten Einsprung,
eine Wellenbahn mit Coffin-Effekt und ein achtunggebietender, schmaler Holzstoß im Endmaß waren die größten Klippen. „Wir wollen, dass alle Reiter nach Hause kommen und dass die Pferde etwas lernen“, sagte Dietmar Imminger, ebenfalls Turnierleiter. Aus diesem Grund gab es zum Holzstoß eine deutlich leichtere aber auch viel zeitaufwändigere Alternative, die allerdings erst nach einer Verweigerung am Holzstoß angeritten werden durfte.
Für eine Überraschung sorgte Anna Perzlmaier mit Okantan. Die Newcomerin, die genauso wie ihr 13-jähriger westfälisch gezogener Wallach v. Ocos xx/Grosso Z erst in diesem Jahr mit Buschreiten begonnen hatte, lag nach Dressur und Springen in Führung, noch vor Lokalmatador Fabian Held. Der ließ sich jedoch die Butter nicht vom Brot nehmen und
legte mit Santiago die schnellste fehlerfreie Geländerunde hin, was ihm die Goldmedaille einbrachte. Die noch unerfahrene Anna Perzlmeier schlug sich tapfer, an der Wellenbahn war für sie der Kurs nach drei Verweigerungen jedoch beendet. Von dieser Reiterin werden wir aber sicherlich in Zukunft noch hören. Denn die Zwölfjährige weiß offensichtlich was sie will und nennt sogar ihre Turniere schon selbst – Hut ab!
Außer Fabian Held schaffte es nur noch eine Reiterin, in die Zeit zu reiten: Hanna Brendler mit Salvarsan. Sie war in der Dressur mit Platz 7 gestartet, konnte sich im Springen auf Rang 5 vorschieben und verdiente sich durch den zweitschnellsten Geländeritt schließlich die Silbermedaille. Nach dem Sieg in der Dressur verbuchten Delia Mangelkramer und Fleur Noir im Springen leider 12 Fehler und musste so von Rang 3 aus ins Gelände starten. Diese Position bestätigten sie sowohl im Busch als auch auf dem Stockerl.
Ponys
Für die Ponys, wie so oft trotz Regen mit 14 Startern von 16 Nennungen die zähesten, war die Meisterschaft gleichzeitig Einlaufprüfung für die zwei Wochen später stattfindende Deutsche Meisterschaft. Daniela Bendfeldt mit Dara, die nach ihrem Sieg in der
EM-Sichtung in Barwedel in den Bundeskader berufen worden war, führte nach Dressur
und Springen – und holte sich mit der schnellsten fehlerfreien Geländerunde den Titel der Bayerischen Meisterin. Nur eine Sekunde länger war die von Position 3 startende Delia Mangelkramer mit Munschkins unterwegs – das bedeutete Silber. Der Kampf um den Bronzeplatz war spannend: Anna-Maria Leis mit Topas, die nach Dressur und Springen auf Rang 2 gelegen hatte, war im Gelände nicht platziert; eine weitere Medaillen-Aspirantin, Alina Kretschmer mit Silberpfeil, trat gar nicht erst an. Dicht beieinander lagen Platz 5
(Delia Mangelkramer/Mac Ide) und die beiden Sechsten (Annkatrin Anselstetter/Lettehofs Loveley Puppet und Moritz Eckl/Navajo). Mit dem drittschnellsten Geländeritt holte sich schließlich Moritz Eckl die Medaille.
Junioren I und Junge Reiter
Die Meisterschaft für die Junioren I und die Jungen Reiter wurde in einer VL ausgetragen, deren Niveau gemäß einer Meisterschaft zwar gehoben war, aufgrund der
Bodenverhältnisse allerdings nicht übertrieben hoch. Die größten Herausforderungen
waren hier das Coffin mit Graben, die Bank mit Doppelhecke und, natürlich, das Wasser.
Melanie Held, die sicherlich Chancen auf den Titel bei den Junioren II gehabt hätte, startete nicht in „ihrer“ Klasse, sondern aus Sichtungsgründen in Kl. L. Ihr Erfolgspferd Salino TSF hat seit dem gemeinsamen EM-Start in Avenches Pause, und so stellte sie im Kurs die 13-jährige Holsteiner Stute Cabrera v. Calato/Rocadero vor (Besitzerin: Veronika Hartmann) vor. Klasse A oder L, Erfolgspferd hin oder her, die Bundeskader-Reiterin holte sich trotzdem souverän die Silbermedaille. Gold ging an Sophie Grieger mit Windrose, die schnellste Juniorin im Gelände. Nadine Held, die mit Salem bei den Junioren I nach Springen und Dressur an 3. Stelle gelegen hatte, schaffte es im Gelände nicht ganz in die Zeit (0,80 Zeitfehler) und machte den Weg frei für Bundeskader-Mitglied Stephanie Wyrwoll mit Midnight Blue, die auf den Deutschen Meisterschaften in Bonn-Rodderberg übrigens einen 8. Platz belegt hatte.
Die Jungen Reiter behielten ihre Rangfolge aus Dressur und Springen auch im Gelände bei. Johanna Wasmuth mit Mr. Mac, die als einzige bayerische Starterin bei den Deutschen JR-Meisterschaften den 14. Platz erreicht hatte, leistete sich zwar zwei Zeitfehler, das konnte sie allerdings nicht von ihrer Spitzenposition verdrängen. Es folgten, in der Platzierung wie auf dem Podest, Stefan Dempfle mit Tane und Eva Gramlich mit Alessi.
Auch wenn die Turnierleitung dieses Jahr nicht in den bewährten Händen von Heiner Held gelegen hatte – der beim Hindernisbau allerdings nicht zu bremsen gewesen war – hat das Massenhausener Team einen tollen Job gemacht und die Bayerischen Meisterschaften waren rundum gelungen. Ein abwechslungsreicher Kurs, ansprechende Leistungen, gute Stimmung und keine Verletzungen – was will man mehr?
Anna Castronovo